9. Online-Krisenkonferenz „TANG klärt auf“

Wie können afrikanische Kirchen in der Corona-Krise ihre Gottesdienste feiern? Bei der 9. Online-Krisenkonferenz „Coronavirus – TANG klärt auf“ stellte die Bundesvorsitzende Dr. Sylvie Nantcha den 28 TeilnehmerInnen aus 26 Städten ein elf Punkte umfassendes Schutzkonzept vor, dass das Bundesnetzwerk TANG eigens für die afrikanischen Gotteshäuser entwickelt hat.

Afrikanische Kirchen in Deutschland sind Heimat in der Fremde, soziales Netzwerk, Ersatzfamilie. Doch die Corona-Krise macht es schwierig, Glauben und Gemeinschaft zu leben. Erst seit Anfang Mai dürfen Gottesdienste unter strengen Auflagen überhaupt wieder stattfinden. Dies ist eine große Herausforderung, bei denen TANG die afrikanischen Kirchen unterstützen möchte.

Zwar unterscheiden sich die Auflagen von Bundesland zu Bundesland. In allen Bundesländern aber gilt: Die 1,5-Meter-Abstandsregel muss eingehalten werden. Daraus leitet sich auch ab, wie viele Menschen einen Gottesdienst besuchen dürfen. Jede Kirche braucht ein Hygienekonzept, in dem der Ablauf vor, während und nach dem Gottesdienst geregelt ist. Wer kommen will, muss sich anmelden. Aufmerksame HelferInnen sollen darauf achten, dass sich jeder Besucher die Hände desinfiziert und in eine Liste einträgt. Im Falle einer Infektion können damit mögliche Kontaktpersonen schnell gefunden und informiert werden. Das Tragen einer Maske wird empfohlen, in Rheinland-Pfalz ist sie sogar Pflicht.

In Corona-Zeiten müssen die afrikanischen Kirchen umdenken: Die Gemeinde muss auf das laute Singen verzichten. Spätestens nach 60 Minuten muss der Gottesdienst beendet werden. Auf das gemeinsame Essen und Trinken nach dem Gottesdienst muss auch verzichtet werden.

Das Schutzkonzept für afrikanische Kirchen liegt bereits auf Deutsch vor und wird jetzt auf Englisch und Französisch übersetzt.

„TANG übernimmt damit eine Führungsrolle“, sagte Femi Awoniyi aus Berlin. Andere TeilnehmerInnen berichteten, dass ihre Kirche jetzt mehrere Gottesdienste anbieten, damit alle Gläubigen sich treffen können.  Zudem werden die Gottesdienste auf YouTube gestellt, damit die Mitglieder sie auch zuhause anschauen können.

Hier gibt es die deutsche Fassung des Schutzkonzeptes für afrikanische Kirchen zum Nachlesen

http://tang-ev.de/was-wir-wissen/positionspapiere/corona-empfehlungen-fuer-ein-schutzkonzept-fuer-afrikanischen-gemeinden/

 

Wichtig ist für TANG der Schutz auch für die Menschen in Flüchtlingsunterkünften. Zu diesem Thema hat TANG ein dreiseitiges Positionspapier mit dem Titel „Mindeststandards für alle Flüchtlingsheime und Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland in Zeiten der Corona-Pandemie“ verfasst. Das Papier wurde an unsere 800 Mitglieder, die  Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, Bundesinnenminister Horst Seehofer, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Hans-Eckhard Sommer, Präsidenten des Bundesamts für Migration und Integration, die Fraktionsvorsitzenden im deutschen Bundestages, die 16 Ministerpräsidenten sowie die Integrationsbeauftragten und Integrationsbeiräte in deutschen Städte und Gemeinden geschickt haben.

„Wir sind der einzige Bundesverband von Migranten, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat“, erklärte Dr. Sylvie Nantcha. „Unsere Flüchtlinge haben keine Stimme. Wir wollen für sie kämpfen, damit sie den gleichen Zugang zu den Schutzmaßnahmen haben wie alle anderen Menschen.“

Falls Sie das Positionspapier nachlesen möchten, hier geht es zum Link:

http://tang-ev.de/was-wir-wissen/positionspapiere/ ‎

Dr. Nantcha bat die TeilnehmerInnen, das Positionspapier „Mindeststandards für alle Flüchtlingsheime“ und das Schutzkonzept für afrikanische Kirchen in ihren Communities und in ihren Gemeinden zu teilen.

Informationen gab es zudem über die jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu Corona und zum geplanten, aber nicht beschlossenen, Corona-Familiengeld der Bundesregierung und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen.