Erste Erfolge im Kampf gegen Rassismus und der Kampf gegen die Corona-Pandemie

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Nun also doch: Nach monatelangem Streit um eine Studie zum Rassismus bei der Polizei , die das Bundesnetzwerk TANG vehement gefordert hat, hat sich die Große Koalition auf einen Kompromiss geeinigt. Untersucht wird in einer Studie zum Alltagsrassismus „die Entwicklung und Verbreitung diskriminierender Handlungen in der Zivilgesellschaft, in Wirtschaft und Unternehmen sowie öffentlichen Institutionen, die durch rassistische Einstellungen motiviert sind“   – und damit auch bei den Sicherheitsbehörden.

Wie Innenminister Horst Seehofer bekanntgab, soll es neben dieser wissenschaftlichen Studie eine zusätzliche Untersuchung über den Alltag der Polizeibeamten geben. Dazu gehörten auch Hass und Gewalt gegen Polizeibeamte. Mein Kommentar zu dieser überfälligen Entscheidung: „Es geht nicht um einen Generalverdacht der Polizei gegenüber. Es geht darum, Probleme zu erkennen, zu identifizieren, Lösungen zu finden und demokratische Kräfte zu stärken.“

Wir können einen zweiten Erfolg verzeichnen: Auch bei der Streichung des Begriffs „Rasse“ aus dem Grundgesetz gibt es Bewegung. Nach Medienberichten soll Justizministerin Christine Lamprecht mit Innenminister Horst Seehofer einen entsprechenden Gesetzentwurf erarbeiten. Das Wort „Rasse“ soll demnach aus dem Grundgesetz gestrichen werden, der Schutz vor Rassismus aber bleiben.

Artikel 3 des Grundgesetzes sieht vor, dass niemand wegen „seiner Rasse“ benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Der Begriff „Rasse“ gilt in der Wissenschaft heute aber als unangemessen. Trotz unterschiedlicher äußerer Merkmale lässt menschliches Erbgut sich nicht in Rassen aufteilen. Dass der Begriff 1949 in die Verfassung kam, war auch der Abgrenzung von nationalsozialistischem Rassenwahn geschuldet.

Es ist nicht zu übersehen: Die Corona-Infektionszahlen rasen in die Höhe. Die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen auf die Integration in Deutschland waren deshalb auch Thema beim 12. Integrationsgipfel, der an diesem Montag virtuell stattfand. In der Runde der 120 VertreterInnen aus Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften, Politik, Wirtschaft und Sport habe ich als Bundesvorsitzende von TANG betont, dass eine Digitalisierungsoffensive in allen Bereichen der Integration notwendig ist: bei den Sprachkursen, bei der Beratung, bei der Ausbildung. Die Verlierer des ersten Lockdowns waren die Kinder, die keine Zugänge zu Computern oder Druckern und keine ausreichende Unterstützung hatten. Deshalb brauchen wir dringend Verbesserungen beim digitalen Lehren und Lernen.

Wie die massiv steigenden Infektionen gestoppt werden kann, war auch Thema einer kurzfristig anberaumten Videokonferenz, zu der Kanzlerin Angela Merkel, die Staatsministerin für Integration, Annette Widmann-Mauz, und Gesundheitsminister Jens Spahn Migrantenorganisationen und Religionsgemeinschaften einluden.  Von Minister Jens Spahn wünschte ich mir eine Plattform für Migrantenorganisationen, auf der regelmäßig – und nicht nur in Krisenzeiten – über das Thema Gesundheit von Migrantinnen und Migranten diskutiert wird.

Wie erfolgreich digitale Aufklärungskampagnen sein können, zeigt unsere Aktion „Coronavirus #Tang klärt auf“, mit der wir via Telefon, Facebook, Instagram und WhatsApp mehr als sechs Millionen Menschen erreichten.  Jetzt wollen wir eine zweite Aufklärungskampagne starten. Wir laden andere Migrantenorganisationen herzlich ein, dabei mitzumachen.

Dass digitales Lehren und Lernen erfolgreich sein können, zeigt die TANG-Akademie mit ihren Schulungen für das neue Projekt AfrikaPlus #homeishome, die wir in Zusammenarbeit mit den Referentinnen von IOM Deutschland in dieser Woche anbieten.

Auf kleinere Präsenzveranstaltungen können und wollen wir auch in diesen Tagen nicht verzichten: So fand Ende vergangener Woche – selbstverständlich unter strengen Hygiene-Auflagen – die Kick-off-Veranstaltung unseres neuen Modellprojekts „Rassismus in Deutschland aus der Perspektive von Menschen mit afrikanischer Abstammung“ im Rahmen des Modellprojekts „Demokratie leben!“ im  Internationalen Tagungshaus ITH Saré Trulben statt, bei der wir das Projekt vorstellten, über die Interviewsituationen sprachen und den Fragebogen diskutierten.

Wie immer gilt: Wenn Sie an unseren Präsenz- und Online-Veranstaltungen teilnehmen möchten, mit einem Klick auf http://tang-ev.de/events/ haben Sie den Überblick.

Mit freundlichen Grüßen – und bleiben Sie gesund!

Dr. Sylvie Nantcha

Bundesvorsitzende von TANG