Zwischen Kontaktbeschränkungen und dem Kampf gegen das N-Wort

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Von Montag an wird es ernst: Die Bundesregierung und die Länder wollen die drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen mit massiven Kontaktbeschränkungen im November in den Griff bekommen.  Vom 2. November an soll das öffentliche Leben in Deutschland spürbar eingeschränkt werden: Restaurants und Kneipen müssen schließen, Veranstaltungen werden weitestgehend verboten, Theater bleiben zu, Fußball wird in leeren Stadien gespielt. Schulen, Kitas und Betriebe sollen, soweit es die örtliche Infektionslage erlaubt, geöffnet bleiben.

Der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit insgesamt zehn Personen gestattet. Ich appelliere dringend an alle unsere Mitglieder und FreundInnen: Bitte haltet Euch an die AHA-L Regeln: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen sowie regelmäßiges Lüften!

Auch wir steigen wieder auf digitale Veranstaltungen um. Zum Beispiel bei der TANG-Akademie für MitarbeiterInnen. Drei Wochen lang werden MitarbeiterInnen, die in der Arbeit mit Geflüchteten tätig sind, online geschult. Die Schulungen haben vier Schwerpunkte: die Rückkehr- und Reintegrationsprogramme von IOM, pädagogische Beratung, Arbeitsprozesse beim Bundesnetzwerk TANG sowie Projektarbeit 1 – 10. Ich habe die TANG-Akademie für MitarbeiterInnen gestartet, weil es mir wichtig ist, dass TANG und seine Projektteams qualifiziert arbeiten. Die Herausforderungen im Bereich Integration und Migration sind sehr groß!

Trotz der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Reisebeschränkungen ist und bleibt die Förderung der Fachkräftemigration für die Bundesrepublik Deutschland ein wichtiges Thema. Darauf habe ich bei einer Online-Veranstaltung des Goethe-Instituts vergangene Woche hingewiesen. Wegen der geschlossenen Flughäfen, Grenzen und der im Notbetrieb arbeitenden deutschen Auslandsvertretungen hat das im Frühjahr in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz seine Wirkung nicht entfalten können. Jetzt muss die Zeit genutzt werden, um die Digitalisierung bei den Vorintegrationsangeboten voranzubringen und die Angebote zur Nachqualifizierung auszubauen. Im weltweiten Vergleich ist Deutschland als Zielland für Fachkräfte nicht bekannt.

Was tun? Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz muss im Ausland vorgestellt, es muss auf die legalen Einreisemöglichkeiten hingewiesen werden, Deutschland muss Fachkräften schmackhaft gemacht werden. Noch immer dauert es viel zu lange, bis über Visa entschieden wird. Wir Migrantenorganisationen sind bereit, uns gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu engagieren.

Wo hört Kultur auf und wo fängt Rassismus an? Diese Fragen wurden mir vergangene Woche im SWR-Fernsehen gestellt. Auslöser war der Streit um die Ulmer Weihnachtskrippe und diskriminierende Straßennamen. Meine Position:  Ich kann gut verstehen, dass Schwarze Menschen sich diskriminiert fühlen. Die Figur des Melchior entstand in der Zeit des Kolonialismus und zeigt alle rassistischen Klischees. Wer sich den kompletten TV-Beitrag anschauen möchte, dies ist der Link:

https://www.ardmediathek.de/swr/video/zur-sache-baden-wuerttemberg/kein-mohr-kein-melchior/swr-baden-wuerttemberg/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEzMjYzNjY/

Einen großen Erfolg hat der Ausländerberat der Stadt Kassel erzielt: Die Stadt Kassel soll anerkennen, dass die Verwendung des N-Worts rassistisch und deshalb zu ächten ist. Die große Mehrheit des Finanzausschusses hat bereits für die Vorschlag gestimmt. Am 2. November soll die Stadtverordnetenversammlung darüber befinden. Kassel folgt damit dem Beispiel der Stadt Köln, die als erste Kommune in Deutschland anerkannt hat, dass die Verwendung des N-Wortes rassistisch ist.

Die Ächtung des N-Wortes als diskriminierend, rassistisch und beleidigend steht seit langem auch auf unserem Forderungskatalog zum Kampf gegen den Rassismus in Deutschland.

Zum ersten Mal findet im Rahmen der Projekte „Gemeinsam für mehr Teilhabe“ und „Menschen stärken Menschen“ ein Ferienprogramm für 15 Kids und Jugendliche aus Baden-Württemberg in Rheinland-Pfalz statt.  Auf dem Programm stehen Wanderungen, die Deutsch-Französische Geschichte am Beispiel des Westwall-Museums und der Zitadelle, eine Begegnung mit dem Bürgermeister von Trulben, Harald Hatzfeld, Sport, der Jerusalema-Tanz und vieles mehr.

Wie immer gilt: Wenn Sie an unseren Veranstaltungen teilnehmen möchten, mit einem Klick auf http://tang-ev.de/events/ haben Sie den Überblick.

Mit freundlichen Grüßen – und bleiben Sie gesund!

Dr. Sylvie Nantcha

Bundesvorsitzende von TANG