Zwischen Hilfe für Kleinbäuerinnen und Rassismus in Deutschland – Brief der Bundesvorsitzenden

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Was ist das Erfolgsrezept des Projekts Widu? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Veranstaltung der Afrikastiftung vergangene Woche in Berlin. Meine Antwort: „Die Einbindung der Diaspora in die Entwicklungszusammenarbeit ist das Erfolgsrezept des Projekts WIDU. Die Grundlage für den Erfolg ist Vertrauen – Vertrauen, das uns von der Diaspora und den KleinunternehmerInnen entgegengebracht wird. Mehr als zwei Millionen Jobs wurden auf dem afrikanischen Kontinent seit November 2019 mit dem Widu-Projekt geschaffen. Es freut mich sehr, dass wir dieses Projekt mit dem Afrikabeauftragten der Bundesregierung Nooke initiiert haben und bis jetzt mit der GIZ begleitet und umgesetzt haben.“

Nach Schätzungen der Weltbank überweisen Mitglieder der afrikanischen Diaspora in Deutschland jährlich 1,2 Milliarden Euro in ihre Herkunftsländer, um damit Familie, Freunde und Bekannte zu unterstützen. Dieses Geld wird aber nur in wenigen Fällen für unternehmerische Investitionen genutzt. Dabei steckt dort ein großes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder. WIDU setzt exakt an diesem Punkt an: Das Projekt lenkt bestehende Geldflüsse in nachhaltige Investitionen für Existenzgründungen und kleine Unternehmen um. Im Mittelpunkt steht dabei die WIDU Plattform, die allen Beteiligten eine transparente und effiziente Projektabwicklung ermöglicht. Geförderte UnternehmerInnen erhalten neben der finanziellen Unterstützung der Diaspora einen finanziellen Zuschuss und kostenlose Coaching-Maßnahmen von WIDU. Das Ziel? Die Schaffung von neuen Jobs, gesteigertem Einkommen und besseren wirtschaftlichen Perspektiven für Ghana und Kamerun.

Die WIDU Plattform ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt wird.

Der Rassismus gegen Schwarze Menschen beschäftigte jetzt auch die Kirchen in Deutschland. Auslöser für die Debatte war die Holzfigur des Melchior im Ulmer Münster, die die evangelische Münstergemeinde aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen will, weil sie aus heutiger Sicht mit ihren wulstigen Lippen und einem Goldreif am Fuß eindeutig als rassistisch anzusehen sei. Beklagt hatte sich nach Medienberichten die aus Kamerun stammende Gospelsängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum. Sie habe die die Figur als „rassistisch und in keiner Weise wertschätzend“ empfunden.

Solche klischeehaften oder diskriminierenden Darstellungen der Heiligen Drei Könige sollten auch nach Auffassung der Bischofskonferenz in den katholischen Kirchen ersetzt werden. Sinnvoll seien Darstellungen, „in denen dunkelhäutige Menschen sich wiedererkennen können“, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Die drei Weisen oder Könige stünden dafür, „dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Völkern Christus verehren“. Deshalb gebe es in vielen Krippen mit Melchior eine Schwarze Figur, so Kopp weiter. „Eine Krippe ohne Melchior würde dagegen suggerieren, dass Christus nur für weiße Menschen zur Welt gekommen ist. Das wäre grundfalsch und würde zu Recht als rassistisch bezeichnet.“

Im Zusammenhang mit aktuellen Rassismus-Debatten äußerte sich auch der Sprecher des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Das Hilfswerk empfehle, Kinder zum Sternsingen nicht schwarz zu schminken. Dieser Brauch, der eine Gleichsetzung von Herkunft und Hautfarbe nahelege, gehe heute nicht mehr: „Wir glauben, dass der ursprüngliche Sinn der Tradition besser deutlich wird, wenn Kinder als Sternsinger so gehen, wie sie eben sind: vielfältig in ihrem Aussehen.“

Im Streit um eine Studie zum Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei gehen einige Bundesländer jetzt eigene Wege: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben eigene Studien angekündigt. Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnt bekanntlich eine wissenschaftliche Untersuchung zu Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei weiterhin ab.

Der starke Anstieg der Corona-Infektionen in den vergangenen Tagen beschäftigt auch uns:

Noch können wir kleinere Veranstaltungen abhalten. Und wir achten streng auf die Hygiene-Bestimmung: Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske tragen – Lüften.

Wenn Sie an unseren Präsenz- und Online-Veranstaltungen teilnehmen möchten, mit einem Klick auf http://tang-ev.de/events/ haben Sie den Überblick.

Mit freundlichen Grüßen – und bleiben Sie gesund!

Dr. Sylvie Nantcha

Bundesvorsitzende von TANG

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Unser neues Projekt „Demokratie leben“

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

The African Network of Germany wächst und gedeiht. Das haben Sie an unseren Stellenausschreibungen gesehen, die wir Anfang dieser Woche veröffentlicht haben. Für alle, die diese Informationen weiterleiten möchten, das ist der Link auf unsere Website  http://tang-ev.de/jobs-2/ 

Dieses Wachstum ist dank einiger neuer Projekte möglich. Zum Beispiel das Projekt „Rassismus in Deutschland aus der Perspektive von Menschen mit afrikanischer Abstammung“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche gefördert wird. „Unser neues Projekt „Demokratie leben““ weiterlesen

Wir ziehen Halbjahresbilanz

Liebe Mitglieder und Freunde von TANG,

Wir befinden uns auf der Zielgeraden in Richtung Urlaub. Vom 1. bis zum 31. August sind die Bundesgeschäftsstelle und alle Büros des Bundesnetzwerks TANG wegen Betriebsurlaubs geschlossen. Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen jetzt erstmal die Sommerferien auf dem Programm.

Zeit für einen kurzen Rückblick auf ein anstrengendes, aber erfolgreiches erstes Halbjahr 2020. Unsere Kampagne Coronavirus TANG #Telefonaktion, die wir am 17. März gestartet haben, klärte mehr als sechs Millionen Menschen über Telefon, WhatsApp, Facebook und Instagram auf. Eine Zahl, auf die wir stolz sind. Im Mai und im Juni ging es mit der zweiten Phase der Aktion „Coronavirus TANG: Sich und andere schützen – trotz Lockerung des Kontaktverbots“ weiter. Dabei verteilten wir unter anderem 6000 Community-Masken an unsere Mitglieder und afrikanische Geflüchtete.  „Wir ziehen Halbjahresbilanz“ weiterlesen

Brief der Bundesvorsitzenden: Wir fordern ein Kompetenzzentrum mit Hilfetelefon

Liebe Mitglieder und Freunde des Bundesnetzwerks TANG,

wir haben gute Nachrichten für die afrikanische Community. Die Bundesintegrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz hat unsere Forderung nach einem Kompetenzzentrum und Hilfetelefon für rassistische Angriffe auf Menschen afrikanischer Herkunft übernommen. Die Einrichtung soll wissenschaftlich arbeiten und zugleich ein Hilfetelefon für Betroffene anbieten. Die Integrationsbeauftragte versprach, diesen Vorschlag dem Kabinettsausschuss gegen Rechtsextremismus und Rassismus vorzulegen. „Brief der Bundesvorsitzenden: Wir fordern ein Kompetenzzentrum mit Hilfetelefon“ weiterlesen

Brief der Bundesvorsitzenden: Das Afrikakonzept des BMEL

Liebe Mitglieder und Freunde des Bundesnetzwerks TANG,

The African Network of Germany war in der vergangenen Woche auf verschiedenen politischen Plattformen aktiv. Auf Einladung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) diskutierten wir über die Grundzüge des neuen Afrikakonzepts des Ministeriums, das sich für eine moderne, nachhaltige Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent einsetzt. Wir waren uns einig, dass der Landwirtschaftssektor der Schlüssel im Kampf gegen Hunger und Armut auf dem afrikanischen Kontinent ist. Dort sind ausreichend geeignete Flächen für Ackerbau und Viehzucht, günstige Klimabedingungen und viele Arbeitskräfte vorhanden. „Brief der Bundesvorsitzenden: Das Afrikakonzept des BMEL“ weiterlesen

Brief der Bundesvorsitzenden: Wir dürfen zum Rassismus nicht schweigen

Liebe Mitglieder und Freunde des Bundesnetzwerks TANG,

„Your silence will not protect you“, Euer Schweigen schützt Euch nicht, schrieb die Schwarze Autorin Audre Lorde. 20 Jahre nach ihrem Tod gilt diese Devise immer. Zum Thema Rassismus gegen Schwarze Menschen in Deutschland wollen und dürfen wir nicht schweigen. „Brief der Bundesvorsitzenden: Wir dürfen zum Rassismus nicht schweigen“ weiterlesen