Internationale Wochen gegen Rassismus und Neuigkeiten zu COVID-19

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

heute ist der vorletzte Tag der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Wie bereits im letzten Mitgliederbrief erklärt, handelt es sich hierbei um Aktionswochen der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus, die alljährlich vom 15.-25. März stattfinden. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus am 22. März habe ich in den Sozialen Medien deutlich gemacht: „Die Bekämpfung des Anti-Schwarzen Rassismus in Deutschland geht nur gemeinsam!“

Außerdem wurde ich vom evangelischen Pressedienst gefragt, wie dringend Deutschland die Internationalen Wochen gegen Rassismus braucht. Auf diese Frage hin erklärte ich, dass Deutschland diese Wochen ganz dringend braucht, denn Deutschland hat ein Rassismusproblem. Das wurde nach den Vorfällen von Halle und Hanau von der Bundesregierung erkannt. Menschen haben tagtäglich mit Rassismus zu kämpfen und Rassismus gegen Schwarze ist eine von vier Formen des Rassismus, die bisher noch nicht genügend als Problem anerkannt wird. Dies liegt unter anderem daran, dass die Zahlen rassistischer Vorfälle kaum erfasst sind und diese Form des Alltagsrassismus dementsprechend noch nicht genug statistisch belegt ist.

Im Interview mit dem evangelischen Pressedienst kamen wir auch auf rassistische Wörter in Kinderbüchern zu sprechen. Es stellte sich die Frage, ob sich eine anti-rassistische Behandlung an einzelnen Wörtern festmacht und ob es gerecht ist, wenn rassistisch geprägte Wörter weiterhin in der Literatur auftauchen. In den Kinderbüchern „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ wird an einer Stelle das N-Wort genannt und in „Pippi Langstrumpf“ wurde das Wort „Negerkönig“ ausgetauscht gegen „Südseekönig“.

Diese bestimmten Wörter wurden in der Entstehungszeit der Bücher verwendet, aber sind für uns nach wie vor rassistisch. Ist es gerecht, wenn rassistisch geprägte Wörter überhaupt weiterhin in unserer Literatur auftauchen? Es ist unsere Position, dass alle Bücher, gleich ob Kinder- oder Erwachsenenbücher, grundsätzlich auf eine Rassismus-freie Sprache untersucht werden sollen. Außerdem gehört an erster Stelle die Streichung des N-Wortes. Denn wenn wir keine Änderungen vornehmen, reproduzieren wir die vorhandenen Strukturen. Sprache prägt unser Denken und Handeln und wir müssen vermeiden, dass Menschen nächster Generationen auf die Idee kommen, dieses Wort zu benutzen.

Unsere Forderung ist, dass das N-Wort – wie bereits von TANG gefordert – aus allen Kinderbüchern gestrichen werden soll und alle Kinderbücher auf eine Rassismus-freie Sprache überprüft werden. Außerdem fordern wir, dass sich Erzieher und Lehrer mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen. Dieses Thema gehört früh auf den Bildungspunkt, denn wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft, in der wir die Realität nicht still schweigen, sondern zur Sprache bringen sollten. Diese Wochen sind daher eine gute Gelegenheit über Rassismus sowie über die Diversität und die Zukunft Deutschlands zu sprechen.

Wir freuen uns auch Ihren Standpunkt hinsichtlich der Kinderbuchdebatte zu erfahren. Schreiben Sie uns! (info@tang-ev.de)

Gremienarbeit

Am 22. März tagte die Fachkommission Fluchtursachen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Als Bundesvorsitzende von TANG ließ ich bei der Sitzung die Expertise und Perspektive der afrikanischen Diaspora in Deutschland einfließen

Im Rahmen des Integrationsgipfels vorletzte Woche, über den wir schon in den letzten Mitgliederbriefen berichtet haben, möchte ich noch einen weiteren Beitrag schildern. Prof Dr. Karim Fereidooni lud uns Teilnehmer zu einer Fantasiereise ein. Diese Fantasiereise sollte es ermöglichen, uns Deutschland in seiner bestmöglichen Version zu imaginieren. Er sieht Fantasie und die Vorstellungskraft des Menschen als wichtiges Tool an, um eine bessere und offenere Gesellschaft herbeizuführen. In seinem Beitrag stellte er fest, dass die menschliche Vorstellungskraft Konzepte von Zusammenleben und von Gesellschaft entwickeln kann, an der alle Menschen teilhaben können. Er zeigte aber auch die negativen Seiten von menschlicher Fantasie: Gewaltvolle Fantasien, die zum Beispiel zum Kolonialismus, zum Holocaust, zur NSU oder zu rassistisch motivierten Taten geführt haben. Rassistische Fantasien wurden genutzt und können auch leider weiterhin genutzt werden, um andere Menschen als weniger wert darzustellen, so entstehe Rassismus durch die Fantasie Weißer Menschen über Schwarze Menschen oder People of Color. Es sei daher wichtig zu reflektieren, welche ausgrenzenden Fantasien uns beigebracht wurden und wie wir diesen durch positive Fantasien entgegenwirken können. Seiner Ansicht nach gibt es keine machtfreien Räume, keine Räume ohne Rassismus, Klassismus und Heteronormativität. Sein Wunsch an die Politik ist daher auch, dass sich die Entscheidungsträger*innen mit ihren eigenen Rassismusfantasien auseinandersetzen und diese Narrative nicht im Wahlkampf verwenden. Auch er knüpft an die Philosophie von Ubuntu an: „Ich bin, weil du bist. Du bist, weil ich bin.“ Er thematisiert in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer Solidargemeinschaft und sagte auch „ich muss andere nicht abwerten, um zu wissen wer ich bin“. Diversitätssensibilität ist seiner Meinung nach einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine gesellschaftliche Teilhabe aller in Deutschland lebenden Menschen.

Neuigkeiten aus den Projekten

Am Samstag, den 20.03 fand eine Schulung zum Thema „Beratungsprotokoll für Multiplikatoren und Kooperationspartner“ im Rahmen des Projekte AfrikaPlus#homeishome statt, bei welcher 77 Kooperationspartner und Multiplikatoren teilnahmen.

Viele Afrikanische Vereine leisten eine hervorragende Arbeit, welche jedoch oft aufgrund fehlender Dokumentation nicht sichtbar wird. Genau aus diesem Grund haben wir unsere KPs und MPs letzten Samstag darin geschult, wie man Beratungsprotokolle richtig und vollständig ausfüllt. Das Beratungsprotokoll wurde Schritt für Schritt besprochen, sodass keine Missverständnisse entstehen. Die Teilnehmer haben sich aktiv an der Schulung beteiligt, Fragen gestellt und großes Interesse an dem gesamten Projekt gezeigt. In diesem Sinne möchten wir uns nochmals bei allen Partner*nnen von AfrikaPlus bedanken.

Wie Sie aus den Nachrichten bereits wissen, befinden wir uns in Deutschland bereits in der sogenannten dritten Welle der Pandemie oder zumindest stehen wir kurz davor. Die Fallzahlen steigen und die Mutationen breiten sich aus.

Zusammen müssen wir nun gegen die 3. Welle anhalten. Dazu gehören Abstand, Hygiene, Maske und häufiges Lüften der Innenräume. Bitte erkundigen Sie sich auch weiterhin über die aktuellen Verordnungen von Bund und Länder. Seit 3. März haben Sie Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche. Auskunft über die Teststationen und die Terminvergabe finden Sie auf der Internetseite Ihrer Stadt. Achten Sie auf sich und Ihre Mitmenschen und bleiben Sie gesund!

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche

Dr. Sylvie Nantcha

Bundesvorsitzende von TANG

Was hat uns im Jahr 2020 bewegt? Der Jahresrückblick des Bundesnetzwerks TANG

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

ein herausforderndes Jahr neigt sich dem Ende entgegen und wir freuen uns auf ruhige Festtage im engsten Familienkreis. Es ist ein schöner Brauch, gegen Ende eines Jahres Rückschau zu halten. Was haben wir, das Bundesnetzwerk TANG, in den vergangenen zwölf Monaten erreicht?

Die Corona-Pandemie hat auch unsere Arbeit beeinflusst. Die Welt ging auf Abstand. Direkte Kontakte und Präsenzveranstaltungen wurden rar, in Windeseile stellten wir auf digitale Formate um. Es war ein Kraftakt – aber wir haben es geschafft! „Was hat uns im Jahr 2020 bewegt? Der Jahresrückblick des Bundesnetzwerks TANG“ weiterlesen

Migration aus Afrika und Rassismus in Deutschland

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Wir sind auf der Zielgeraden in Richtung Weihnachtsferien. Vom 18. Dezember 2020 bis 10. Januar 2021 sind die Bundesgeschäftsstelle in Freiburg und die Projektbüros in Berlin, Dortmund und Fulda geschlossen. In dieser Zeit sind wir telefonisch nicht erreichbar, ihre E-Mails können wir erst nach dem 11. Januar beantworten. Apropos Berlin: Wir haben – endlich – in der Hauptstadt eine Bleibe gefunden. Unser Projektbüro befindet sich in der Huttenstraße 9 in 10553 Berlin. „Migration aus Afrika und Rassismus in Deutschland“ weiterlesen

Wir sind erfolgreich im Kampf gegen den Rassismus

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Wir können Erfolge vermelden! Im Maßnahmenpaket, das der Kabinettausschuss zur Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus am Mittwoch vorstellte, wurden etliche unserer Forderungen erfüllt. Die Bundesregierung verspricht unter anderem mehr Schutz und Hilfe für Betroffene, mehr Forschung zum Alltagsrassismus, eine Untersuchung des Polizeialltags sowie die Streichung des Begriffs „Rasse“ aus dem Grundgesetz. Für all dies habe ich mich stark gemacht. „Wir sind erfolgreich im Kampf gegen den Rassismus“ weiterlesen

Zwischen Kontaktbeschränkungen und dem Kampf gegen das N-Wort

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Von Montag an wird es ernst: Die Bundesregierung und die Länder wollen die drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen mit massiven Kontaktbeschränkungen im November in den Griff bekommen.  Vom 2. November an soll das öffentliche Leben in Deutschland spürbar eingeschränkt werden: Restaurants und Kneipen müssen schließen, Veranstaltungen werden weitestgehend verboten, Theater bleiben zu, Fußball wird in leeren Stadien gespielt. Schulen, Kitas und Betriebe sollen, soweit es die örtliche Infektionslage erlaubt, geöffnet bleiben. „Zwischen Kontaktbeschränkungen und dem Kampf gegen das N-Wort“ weiterlesen

Erste Erfolge im Kampf gegen Rassismus und der Kampf gegen die Corona-Pandemie

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Nun also doch: Nach monatelangem Streit um eine Studie zum Rassismus bei der Polizei , die das Bundesnetzwerk TANG vehement gefordert hat, hat sich die Große Koalition auf einen Kompromiss geeinigt. Untersucht wird in einer Studie zum Alltagsrassismus „die Entwicklung und Verbreitung diskriminierender Handlungen in der Zivilgesellschaft, in Wirtschaft und Unternehmen sowie öffentlichen Institutionen, die durch rassistische Einstellungen motiviert sind“   – und damit auch bei den Sicherheitsbehörden. „Erste Erfolge im Kampf gegen Rassismus und der Kampf gegen die Corona-Pandemie“ weiterlesen

Zwischen Hilfe für Kleinbäuerinnen und Rassismus in Deutschland – Brief der Bundesvorsitzenden

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

Was ist das Erfolgsrezept des Projekts Widu? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Veranstaltung der Afrikastiftung vergangene Woche in Berlin. Meine Antwort: „Die Einbindung der Diaspora in die Entwicklungszusammenarbeit ist das Erfolgsrezept des Projekts WIDU. Die Grundlage für den Erfolg ist Vertrauen – Vertrauen, das uns von der Diaspora und den KleinunternehmerInnen entgegengebracht wird. Mehr als zwei Millionen Jobs wurden auf dem afrikanischen Kontinent seit November 2019 mit dem Widu-Projekt geschaffen. Es freut mich sehr, dass wir dieses Projekt mit dem Afrikabeauftragten der Bundesregierung Nooke initiiert haben und bis jetzt mit der GIZ begleitet und umgesetzt haben.“

Nach Schätzungen der Weltbank überweisen Mitglieder der afrikanischen Diaspora in Deutschland jährlich 1,2 Milliarden Euro in ihre Herkunftsländer, um damit Familie, Freunde und Bekannte zu unterstützen. Dieses Geld wird aber nur in wenigen Fällen für unternehmerische Investitionen genutzt. Dabei steckt dort ein großes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder. WIDU setzt exakt an diesem Punkt an: Das Projekt lenkt bestehende Geldflüsse in nachhaltige Investitionen für Existenzgründungen und kleine Unternehmen um. Im Mittelpunkt steht dabei die WIDU Plattform, die allen Beteiligten eine transparente und effiziente Projektabwicklung ermöglicht. Geförderte UnternehmerInnen erhalten neben der finanziellen Unterstützung der Diaspora einen finanziellen Zuschuss und kostenlose Coaching-Maßnahmen von WIDU. Das Ziel? Die Schaffung von neuen Jobs, gesteigertem Einkommen und besseren wirtschaftlichen Perspektiven für Ghana und Kamerun.

Die WIDU Plattform ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt wird.

Der Rassismus gegen Schwarze Menschen beschäftigte jetzt auch die Kirchen in Deutschland. Auslöser für die Debatte war die Holzfigur des Melchior im Ulmer Münster, die die evangelische Münstergemeinde aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen will, weil sie aus heutiger Sicht mit ihren wulstigen Lippen und einem Goldreif am Fuß eindeutig als rassistisch anzusehen sei. Beklagt hatte sich nach Medienberichten die aus Kamerun stammende Gospelsängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum. Sie habe die die Figur als „rassistisch und in keiner Weise wertschätzend“ empfunden.

Solche klischeehaften oder diskriminierenden Darstellungen der Heiligen Drei Könige sollten auch nach Auffassung der Bischofskonferenz in den katholischen Kirchen ersetzt werden. Sinnvoll seien Darstellungen, „in denen dunkelhäutige Menschen sich wiedererkennen können“, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Die drei Weisen oder Könige stünden dafür, „dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Völkern Christus verehren“. Deshalb gebe es in vielen Krippen mit Melchior eine Schwarze Figur, so Kopp weiter. „Eine Krippe ohne Melchior würde dagegen suggerieren, dass Christus nur für weiße Menschen zur Welt gekommen ist. Das wäre grundfalsch und würde zu Recht als rassistisch bezeichnet.“

Im Zusammenhang mit aktuellen Rassismus-Debatten äußerte sich auch der Sprecher des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Das Hilfswerk empfehle, Kinder zum Sternsingen nicht schwarz zu schminken. Dieser Brauch, der eine Gleichsetzung von Herkunft und Hautfarbe nahelege, gehe heute nicht mehr: „Wir glauben, dass der ursprüngliche Sinn der Tradition besser deutlich wird, wenn Kinder als Sternsinger so gehen, wie sie eben sind: vielfältig in ihrem Aussehen.“

Im Streit um eine Studie zum Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei gehen einige Bundesländer jetzt eigene Wege: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben eigene Studien angekündigt. Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnt bekanntlich eine wissenschaftliche Untersuchung zu Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei weiterhin ab.

Der starke Anstieg der Corona-Infektionen in den vergangenen Tagen beschäftigt auch uns:

Noch können wir kleinere Veranstaltungen abhalten. Und wir achten streng auf die Hygiene-Bestimmung: Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske tragen – Lüften.

Wenn Sie an unseren Präsenz- und Online-Veranstaltungen teilnehmen möchten, mit einem Klick auf http://tang-ev.de/events/ haben Sie den Überblick.

Mit freundlichen Grüßen – und bleiben Sie gesund!

Dr. Sylvie Nantcha

Bundesvorsitzende von TANG

„Zwischen Hilfe für Kleinbäuerinnen und Rassismus in Deutschland – Brief der Bundesvorsitzenden“ weiterlesen

Unser neues Projekt „Demokratie leben“

Liebe Mitglieder und FreundInnen von TANG,

The African Network of Germany wächst und gedeiht. Das haben Sie an unseren Stellenausschreibungen gesehen, die wir Anfang dieser Woche veröffentlicht haben. Für alle, die diese Informationen weiterleiten möchten, das ist der Link auf unsere Website  http://tang-ev.de/jobs-2/ 

Dieses Wachstum ist dank einiger neuer Projekte möglich. Zum Beispiel das Projekt „Rassismus in Deutschland aus der Perspektive von Menschen mit afrikanischer Abstammung“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche gefördert wird. „Unser neues Projekt „Demokratie leben““ weiterlesen